Bad Waldliesborn: Realitätssinn statt Wunschdenken

In der jüngsten Sitzung der Lenkungsgruppe Bad Waldliesborn stand die wirtschaftliche Zukunft des Kurorts im Mittelpunkt. Die Projekt M GmbH stellte die Ergebnisse ihrer Investorensuche für eine neue Therme mit Hotel vor. Trotz intensiver Bemühungen konnte kein Investor gewonnen werden. Als wesentliche Gründe wurden die angespannte Lage der Hotelbranche sowie die begrenzte Größe des vorgesehenen Geländes genannt. Der Markt zeigt derzeit eine klare Tendenz: Investoren bevorzugen bestehende Anlagen und größere Entwicklungsflächen.

Bürgermeister Tschense präsentierte im Anschluss die von der Verwaltung erarbeiteten Entwicklungsszenarien. Diese umfassen sowohl die Stärkung Bad Waldliesborns als attraktiven Wohnstandort als auch Varianten zum Erhalt des Bad-Status. Eine Bewertungsmatrix soll den Mitgliedern der Lenkungsgruppe zeitnah eine strukturierte Entscheidungsgrundlage bieten.

In der Diskussion wurden unterschiedliche politische Positionen sichtbar. Während mehrere Fraktionen weiterhin den Bau einer Therme befürworten, wurden zugleich Kosten-Nutzen-Aspekte einzelner Projekte kritisch hinterfragt. Insbesondere die geplante Investition von 2,3 Mio.Euro in ein Inhalatorium mit Gradierwerk wurde kontrovers bewertet. Dabei wurde klargestellt, dass der Betrieb eines Inhalatoriums ausschließlich mit medizinischer Sole erfolgen kann.

Eine richtungsweisende Entscheidung über die zukünftige Entwicklung Bad Waldliesborns wird für die Ratssitzung im Mai 2026 angestrebt.

Helmut Lenninghaus vom FDP Stadtverband Lippstadt erklärt hierzu: „Bad Waldliesborn braucht eine wirtschaftlich tragfähige und finanzierbare Perspektive. Stadtentwicklung darf nicht von Wunschbildern, sondern muss von Vernunft, Bedarf und Nachhaltigkeit geleitet werden.“

Aus liberaler Sicht bleibt entscheidend: Verantwortungsvolle Politik bedeutet, Chancen nüchtern zu bewerten, Risiken offen zu benennen und sorgsam mit öffentlichen Mitteln umzugehen.